GEWALT
Gewalt ist jede körperliche Handlung und jedes Verhalten, das ein Kind körperlich und seelisch verletzt, ihm Schmerz und Leid zufügt, ihm Angst macht, sein Selbstwertgefühl schädigt es erniedrigt, es durchgängig überfordert, es mit Schuldgefühlen belädt, seine Grenzen nicht respektiert, sein Nein nicht respektiert, Macht über es ausübt seine Entwicklung stört, ihm Liebe entzieht. Gewalt beginnt und ist immer verbunden mit psychischer, emotionaler, geistiger und sozialer Gewalt. Psychoterror, der ein bedrohliches Gewaltklima in der Familie erzeugt, ist eine Gewalttat, die ebenfalls traumatisierend auf die Opfer wirkt. Eine Gewalttat kann nie mehr rückgängig und je nach Schwere kaum bis gar nicht wieder gut gemacht werden. Somit erfordert dies in erster Hinsicht das Schuldeingeständnis und dem Versprechen der Besserung dem Jeweiligen gegenüber.   Jeder, der ein Kind großzieht, weiß, dass Kinder ausprobieren, wie weit sie gehen können – verbal, körperlich und in ihrem Verhalten. Ihre Vertrauenspersonen sind ihre „Versuchskaninchen“, was diese ehrt, denn nur bei ihnen hat das Kind den Mut, seine Grenzen und die Folgen seiner Handlungen und seines Verhaltens auszuloten.

ELTERN

Da Mütter und Väter auch nur Menschen sind und auch nur Nerven haben, können sie ebenso ausflippen wie Kinder. Sie brauchen ein gewaltfreies Repertoire für den Umgang mit ihrer gesunden Wut, die sie ebenso benötigen. Ein Vertrag für gewaltfreie Erziehung ist beispielweise, in ein anderes Zimmer zu gehen sobald man emotional geladen ist (dort seinen Emotionen freien Lauf lässt) und danach mit dem Kind in Ruhe redet, ihm erklärt warum und weshalb. Gewalt ist ein absolutes Tabu.   PRÄVENTION DURCH ELTERN Wo lauern Gefahren, wie bereite ich mein Kind vor. Vor allem Sexualstraftäter benutzen verschiedene Strategien, um die gesunden Instinkte ihres Opfers auszuschalten. Die erste Gefahr für Kinder lauert da, wo ihr Instinkt manipuliert und betäubt wird. Dort müssen wir ansetzten und zur Gefahrenabwendung beisteuern. Dies gelingt, indem wir unserem Kind eine klare Orientierung geben und ihm versichern: -wenn es in deinem Bauch kribbelt, nehme ich dich ernst. -wenn du dich an einem Ort oder im Beisein eines Menschen unwohl fühlst, nehme   ich dich ernst. -wenn du Angst vor jemanden hast, rede ich sie dir nicht aus. -wenn du wütend bist, bremse ich dich nicht sofort. -wenn du mir etwas sagen willst, höre ich dir aufmerksam zu. -wenn es dir schwer fällt, etwas zu erklären, helfe ich dir, deine Gefühle in Worte zu fassen. -wenn du weinst, versuche ich nicht sofort, deine Tränen zu stoppen.

INSTINKT UND INTUITION

Ich höre hin. Ich schaue hin. Ich bin da. In dieser Zuwendung bleibt der Instinkt erhalten, der im Ernstfall lebensrettend sein kann.   Jeder kennt das Sprichwort: Hätte ich doch auf meine innere Stimme gehört, dann wäre mir das nicht passiert. Nicht jeder Fremde ist schlecht, doch er ist fremd. Gesunde Vorsicht ist angemessen. Die Natur hat da ein klares Vorbild. Jedes Tier begegnet einem Menschen, der ein Fremder ist, mit Vorsicht. Es ist der ureigene Instinkt, der für Sicherheit und Überleben sorgt.   Beispiel: übertriebene Höflichkeitsrituale setzen sich oft über den gesunden Instinkt hinweg.   Eine übliche Kontaktaufnahme mit Kindern besteht darin, dass sie nach ihren Namen gefragt werden. Wenn das Kind nicht sofort freundlich reagiert, ist es vielleicht die Mutter, die vorschnell antwortet. So lernen Kinder, dass es okay ist, wenn jeder X-beliebige ihren Namen erfährt. Schützender wäre es, die Situation erst einmal genauer zu beobachten und dem Kind Zeit zu lassen. Vielleicht spürt es ein Kribbeln im Bauch. Es spricht nichts dagegen, den eigenen Namen zu sagen, sofern das Kind vorher gefragt wird, ob es den Namen sagen möchte?   Wenn es verneint, gilt sein „Nein“ mehr als vermeintliche Höflichkeit gegenüber dem Fremden. Es ist nicht unhöflich, seinen Namen nicht nennen zu wollen. Das Kind endscheidet, ob es will oder nicht. Seinen Namen zu nennen ist ein Türöffner – eine Einladung zur Kontaktaufnahme, ein Hinweis, dass wir an einem weiteren Kennenlernen interessiert sind. Obwohl unser Name zu unserem Persönlichsten gehört wie unser Körper, so gehen wir doch sehr oberflächlich damit um; obwohl er das Erste ist, was wir bekommen, und das Letzte, was wir auf dem Grabstein eines Menschen verewigen. Niemand lebt sein Leben dazwischen ohne Namen.   Unterstützen sie ihr Kind, auch einmal unhöflich zu sein. Es lernt so, sich auch zu schützen. Am Telefon braucht das Kind ebenfalls nicht seinen Namen zu nennen, wenn es nicht weiß, wer anruft. Genauso überflüssig sind T-Shirts, Kappen, Autoaufkleber und Schulranzen, auf denen der Name des Kindes steht. Auch auf veröffentlichten Schulfotos oder Seiten im Internet, sollte der Name des Kindes nicht erwähnt werden.

PROFILE

Noch ein Tip in eigener Sache. Nicht jeder der böse schaut oder böse aussieht ist dies auch. Verschiede Faktoren können einem diesen Ausdruck aufdrängen. Vielmehr sollte man sich klar werden, was Fachleute längst wissen: Täter sind gerade sozial sehr gut angepasst. Sie müssen ganz besonders freundlich und sympathisch wirken, da sie den anderen täuschen wollen. Also werden sie alles daran setzen, nicht schlecht (böse) auszusehen. Gewalttäter und Sexualverbrecher sind meisterhaft in der Verstellung.   VERFÜHRUNG Vorbeugend hilft es Kindern zu lernen, dass man gut und schlecht nur an den Handlungen erkennt-wie jemand einen anderen noch lange nicht liebt, nur weil er es sagt. Liebe erkennt man auch nur an dem, was ein Mensch tut. Sich nicht von schönen Worten oder dem schönen Schein einlullen zu lassen ist eine wichtige Botschaft für unsere Kinder. Wenn Ihnen jemand anderer wichtiger ist als ihr Kind, weil Sie seinen Fehler entschuldigen oder verharmlosen, schwächen Sie es. Wenn Ihnen die Verletztheit  oder die Wut oder Angst ihres Kindes wichtiger ist, stärken Sie es. Nur dann wird ihr Kind sich auch selbst wehren!!!

MACHT UND UNMACHT

Opferstatus, Opferrolle und Täterverhalten Aus den Verhören mit Tätern geht hervor, dass Kinder eine realle Chance haben, aus der Situation herauszukommen, wenn sie sich zur Wehr setzen. Täter lassen aus einem Schmerzreflex heraus los, und sie werden verunsichert. Ein Kind das nicht das klassische Opferverhalten an den Tag legt, bringt sie aus dem Konzept. Die Polizei weiß, dass Täter oft monatelang tausende Kilometer herumfahren, bis sie auf das Kind stoßen, das ihnen zum Opfer fällt. Oft haben sie vorher schon etliche „Fehlversuche“ gestartet.

Literaturquelle, Starke Kinder wehren sich. Kösel Verlag 2004